Dresden

Dresden 12./13.02: Gegen den deutschen Opfermythos!

Der 13. Februar 2010 steht ins Haus und es sieht zum Einen nicht danach aus, als hätte Dresden in diesem Jahr ausnahmsweise keine Lust sich selber zu betrauern. Nein, das komplette Gegenteil ist zu erwarten, denn die Bombardierung jährt sich zum 65. Mal. Zum Anderen ist erneut mit etlichen tausend Nazis zu rechnen. Das Interesse an einer Blockade dieses Aufmarsches wächst, allerdings auch nur in der radikalen Linken. Zivilgesellschaft und Politik machen hingegen wenig Anstalten sich dem Aufmarsch wirklich in den Weg zu stellen. Kritik, in welchen Formen auch immer, ob praktisch oder theoretisch, ist also gefragt.

In Nordrhein-Westfalen wird in der Woche vom 18.01. bis zum 23.01. eine Reihe von Diskussionsveranstaltungen mit ReferentInnen des AK „Keine Versöhnung mit Deutschland“ stattfinden. Im Rahmen der Veranstaltungen wird sich zum Einen mit der im Dresden Mythos sichtbar werdenden Form des Geschichtsrevisionismus auseinandersetzt, zum Anderen werden die ReferentInnen über die geplanten Aktionen gegen Gedenken und Naziaufmarsch am 12. und 13. Februar in Dresden informieren.

 

Hier der Ankündigungstext für die Veranstaltungen:
Der Dresden Mythos
Geschichtsrevisionismus am Beispiel Dresdens.

Der seit 1998 in Dresden, anlässlich der Bombardierung der Stadt im Februar ’45, stattfindende Naziaufmarsch hat sich als ein bedeutendes jährliches Großevent in der bundesweiten Naziszene etabliert. Spektrenübergreifend treffen sich jedes Jahr mehrere tausend Alt- und Neonazis um ihre geschichtsrevisionistische und Shoa verharmlosende Propaganda in die Öffentlichkeit zu tragen. Warum diese gerade in Dresden über Jahre hinweg nahezu ungestört möglich war, liegt an der allgemeinen Gedenkpraxis in Dresden. Jahreland fand hier eine fast ausnahmslose Stilisierung der Deutschen als Opfer statt. Die Ausblendung der Ursachen der Bombardierung sowie zahlreiche Mythen und Legenden boten Neonazis viele Anknüpfungsmöglichkeiten. In den letzten Jahren jedoch fand ein Wandel im Dresdner Gedenk-Diskurs statt, der sowohl eine artikulierte Abgrenzung von den Nazis als auch eine inhaltliche Verschiebung mit sich brachte. Doch trotz der offiziellen Entmythologisierung, Versachlichung und Kontextualisierung des 13. Februars bleibt das Dresden-Gedenken in seinem Kern geschichtsrevisionistisch und muss als solches kritisiert werden.

Der Vortrag gibt einen Überblick zum jährlich in Dresden stattfindenden Gedenken sowie dessen geschichtliche Entwicklung. Die Referent_innen gehen der These nach, dass das Gedenken in seinen verschiedenen Formen geschichtsrevisionistisch ist.

 

Die Termine der Infotour:

18.1:
Mönchengladbach // 19.30 // im BIS, Bismarckstr. 99

19.1:
Mülheim an der Ruhr // 19.30 // AZ, Auerstr. 51

20.1:
Düsseldorf // 18.00 // Heinrich-Heine Universität, Gebäude 23.21, Untergeschoss 1, Raum 69

21.1:
Münster // 19.00 // Club Courage // Friedensstrasse 42 (Hinterhof)

22.1:
Köln // 19.00 // LC36 // Ludolf Camphausenstr. 36

23.1:
Wuppertal // 20.00 // Autonomes Zentrum, Markomannenstr. 3

Abschließend möchten wir noch auf den Aufruf gegen Gedenken und Naziaufmarsch am 13. Februar hinweisen:
http://venceremos.antifa.net/13februar/2010/aufruf.htm

Antifaschistische und Kommunistische Gruppen aus NRW //
http://nrw.blogsport.de/

Siegen

Für den 16.12.09, planen die „Freien Nationalisten Siegerland“ eine Kundgebung und eine Demonstration in Siegen unter dem Motto „Freiheit und Demokratie in jedem Staat durch alliierte Bombensaat“. Anlass ist wie schon bei der Nazidemo vom 16.12.08 der Jahrestag der alliierten Luftangriffe auf Siegen 1944 im Rahmen des 2. Weltkriegs.

Nähere Informationen zu Gegenaktivitäten bald hier: klick!

Hamburg

Am Sonntag, den 25.10.2009, verhinderten Antisemitinnen und Antisemiten gewaltsam eine vom Hamburger Programmkino b-movie und der Gruppe Kritikmaximierung geplante Vorführung von Claude Lanzmanns Film »Warum Israel«.


Mitglieder des »Internationalen Zentrums« B5, der Gruppe »Sozialistische Linke« (SoL) und der »Tierrechtsaktion Nord« (TAN), die sich mit Mundschutz und Quarzsandhandschuhen auf eine körperliche Auseinandersetzung vorbereitet hatten, verweigerten den Gästen den Zugang ins Kino. Besucherinnen und Besucher wurden dabei gezielt ins Gesicht geschlagen und als Schwuchteln und Judenschweine beschimpft. Auch in den Tagen darauf wurden Gäste, die von Blockadebeteiligten auf der Straße wiedererkannt wurden, bedroht und, in mindestens einem Fall, auch tätlich angegriffen.

In einer offiziellen Stellungnahme rechtfertigte die B5 die Gewaltausbrüche inhaltlich und tat sie als kleinere Rangeleien ab. Diese Erklärung strotzt abermals vor antisemitischen Klischees: So wird etwa der Zionismus als rassistisches Projekt bezeichnet, mittels dessen künstlich der jüdische Charakter gewahrt werden solle. Denn als künstlich gilt der antisemitischen Denkweise immer das jüdische, als natürlich aber alle anderen Völker.

Wir halten es für unerträglich,
  • dass ein Kino sein Programm vom Wohlwollen einer benachbarten Aktion Saubere Leinwand abhängig machen soll;
  • dass Linke sich als antisemitischer Kampftrupp formieren, um missliebige Veranstaltungen zu Israel zu unterbinden;
  • dass ein Film von Claude Lanzmann, französischer Jude, Résistancekämpfer und Regisseur von »Shoah«, der bedeutendsten Dokumentation über die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, in Deutschland zum Angriffsziel einer militanten Blockade werden kann.
»Warum Israel« (1973) zeigt nicht bloß die verschiedenen Facetten der israelischen Gesellschaft. Es geht darin, aus der Perspektive eines Diasporajuden, um die Bedeutung des jüdischen Staates als Konsequenz aus der Shoah. Wer, wie die B5, die Vorführung eines solchen Films als Provokation versteht, der nur mit Gewalt beizukommen sei, steht auf der Seite der Barbarei.

Dieses Spektrum ist seit Jahren dafür bekannt, seinen Antisemitismus gewaltförmig auszuleben. Es sind die gleichen, die sich 2002 mit Gewalt Zutritt zum Freien Sender Kombinat (FSK) verschafften und dort einen Kritiker ihres Israelhasses fachmännisch zusammenschlugen; die auf einer antifaschistischen Demonstration im Januar 2004 die Trägerinnen und Träger eines Transparents »Deutschland denken heißt Auschwitz denken« von der Kundgebung prügelten; die seither bei zahlreichen Gelegenheiten Menschen, die Israelfahnen oder -buttons trugen oder aus anderen Gründen nicht in ihr Weltbild passten, bedroht, geschlagen oder mit Flaschen und Steinen beworfen haben.

Was es diesen Gruppen um die B5 bislang stets erlaubt hat, ihre Übergriffe weiter fortzusetzen, ist die Tatsache, dass sie von der Mehrheit der Linken und Alternativen entschlossene Gegenwehr nicht zu fürchten hatten. Kaum jemand der Linken steht ausdrücklich auf ihrer Seite; aber allzu viele waren dennoch bereit, ihnen ihr Plätzchen im Bündnis, auf dem Stadtteilfest oder sonst wo in der Szene freizuhalten.

Weil wir wissen, dass es ebenso verantwortungslos wie gemeingefährlich wäre, Antisemitinnen und Antisemiten gewähren zu lassen; weil wir wissen, dass die Schlägerinnen und Schläger mit jedem Erfolg nur stärker werden – daher halten wir es für unabdingbar, dass am 13.12., bei der Neuansetzung von »Warum Israel« im b-movie, der Film auf jeden Fall gezeigt wird.

Um die Angreiferinnen und Angreifer vom 25.10. politisch zu isolieren und eine Wiederholung ihres antisemitischen Gewaltspektakels zu verunmöglichen, rufen wir für diesen Tag zu einer Demonstration zum b-movie auf.

Auftaktkundgebung: 13.30 vor der Roten Flora
Abschlusskundgebung: 15.00 vor dem B-Movie

(Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten, 18.11.09)

Demo in Recklinghausen

Weder Ar­beit, Brot noch Frei­heit -

„mo­der­nen“ Na­tio­nal­so­zia­lis­mus be­kämp­fen!

an­ti­fa­schis­ti­sche De­mons­tra­ti­on – Reck­ling­hau­sen 27.​11. 18:00

Für den 28. No­vem­ber 2009 rufen Neo­na­zis aus dem Kreis­ge­biet und dar­über hin­aus zu einem Auf­marsch in Reck­ling­hau­sen auf. An­ge­mel­det von Neo­na­zi-​Ur­ge­stein Chris­ti­an Worch lau­tet ihr Motto: „Für ein Recht auf Zu­kunft – Ar­beit, Frei­heit, Brot durch na­tio­na­len So­zia­lis­mus“. Ge­tra­gen und un­ter­stützt wird der Auf­marsch haupt­säch­lich von ei­ni­gen Grup­pen aus dem Ruhr­ge­biet, die sich in dem Neo­na­zi-​Netz­werk „AG Ruhr Mitte“ zu­sam­men­ge­schlos­sen haben. Dar­un­ter fin­den sich der „Na­tio­na­le Wi­der­stand Reck­ling­hau­sen“, der „Na­tio­na­le Wi­der­stand Marl“, die „AG Essen“, sowie ei­ni­ge klei­ne­re Grup­pie­run­gen. Die Or­ga­ni­sa­ti­on des Auf­mar­sches er­scheint al­ler­dings mehr als kon­fus.

So geben die Ver­an­stal­ter mit dem Motto zwar einen gro­ben Rah­men vor, über­las­sen die in­halt­li­che Aus­ge­stal­tung in Form von Auf­ru­fen je­doch ei­ni­gen we­ni­gen Neo­na­zi­grup­pen und Ein­zel­per­so­nen. Bis­her sind ins­ge­samt acht ein­zel­ne Auf­ru­fe sei­tens der Neo­na­zis an­ge­kün­digt. An­schei­nend wis­sen die Or­ga­ni­sa­to­ren selbst nicht so recht, warum sie über­haupt nach Reck­ling­hau­sen wol­len. Als aus­schlag­ge­ben­den Grund für den Auf­marsch kann man schließ­lich fest­hal­ten: Die Neo­na­zis im Ruhr­ge­biet haben es 2009 nicht ge­schafft einen or­dent­lich an­ge­mel­de­ten Auf­marsch er­folg­reich durch­zu­füh­ren. Der letz­te Ver­such schei­ter­te mit dem zuvor groß an­ge­kün­dig­ten „An­ti­kriegs­tag“ in Dort­mund vor ei­ni­gen Wo­chen. Die­sen Um­stand geben sie selbst klein­laut auf der Mo­bi­li­sie­rungs­sei­te zu. Bei der Sich­tung der Auf­ru­fe fin­det mensch das ge­wohn­te Pot­pour­ri neo­na­zis­ti­scher Ar­gu­men­ta­ti­on und Theo­rie wie­der. An­ge­fan­gen beim Thema „An­ti-​Ka­pi­ta­lis­mus“ und Fi­nanz­kri­se geht es dort fer­ner um das Be­jam­mern des Nie­der­gangs des deut­schen Volkes, die „fort­schrei­ten­de Über­frem­dung“, die stei­gen­de Kri­mi­na­li­tät und um die Ver­herr­li­chung des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, also alles was zur Zeit en vogue ist oder schon immer Thema der Rech­ten war. Ins­ge­samt schei­nen alle Auf­ru­fe schlecht er­ar­bei­tet und von – selbst aus neo­na­zis­ti­scher Sicht – min­de­rer Qua­li­tät. Doch als wäre diese dil­le­tan­ti­sche Vor­ar­beit nicht genug an ei­ge­ner De­mo­bi­li­sie­rung, ver­öf­fent­lich­ten die Or­ga­ni­sa­to­ren auf ihrer of­fi­zi­el­len In­ter­net­sei­te be­reits im Vor­feld einen um­fang­rei­chen Ka­ta­log selbst­ge­wähl­ter Auf­la­gen, in wel­chen sie in bes­ter Deutsch­tü­me­lei na­he­zu alles dik­tie­ren, was beim Auf­marsch „will­kom­men“ und was „aus­drück­lich un­ter­sagt“ ist. Ei­ni­ge die­ser Auf­la­gen haben in Neo­na­zi-​Krei­sen er­heb­li­che Kri­tik her­vor­ge­ru­fen.

Da die of­fen­sicht­li­che Dis­kre­panz und Fehl­ein­schät­zung zwi­schen neo­na­zis­ti­scher Ar­gu­men­ta­ti­on und Rea­li­tät viele The­men der Neo­na­zis ganz von al­lein de­mas­kiert, wer­den wir an die­ser Stel­le nur sehr be­grenzt auf die spe­zi­fi­sche The­ma­tik der Auf­ruf­s­chrei­ber ein­ge­hen.

An­ti­ka­pi­ta­lis­mus und NS
Die welt­wei­te wirt­schaft­li­che Krise hat mehr oder we­ni­ger neue Den­k­an­stös­se in der neo­na­zis­ti­schen Rech­ten zu Tage ge­för­dert bzw. re­ak­ti­viert. So steht das Thema „An­ti-​Ka­pi­ta­lis­mus“ in der Rech­ten nun oft­mals im Mit­te­punkt. Doch na­tür­lich un­ter­schei­det sich die neo­na­zis­ti­sche Kri­tik des Ka­pi­ta­lis­mus deut­lich von der uns­ri­gen. Allen voran ver­tre­ten Neo­na­zis die Auf­fas­sung, der „Raub­tier“-​Ka­pi­ta­lis­mus zer­stö­re die na­tür­lich ge­wach­se­ne Volks­ge­mein­schaft. Mit die­sem Be­griff, der in ei­ni­gen der acht Na­zi-​Auf­ru­fen be­nutzt wird, be­zie­hen sie sich auf ein ge­sell­schaft­li­ches Mo­dell, wel­ches unter an­de­rem auch im Pro­gramm der NSDAP fest­ge­schrie­ben war. Hier­nach ge­hö­ren zum deut­schen Volk nur jene, die eine „ari­sche“ Ab­stam­mung nach­wei­sen kön­nen. Ein zwei­te Grund­be­din­gung lag im kla­ren Be­kennt­nis zum NS. Aus­ge­schlos­sen waren daher von vorn­her­ein auch Ho­mo­se­xu­el­le, Be­hin­der­te und (po­li­tisch) an­ders den­ken­de Men­schen. Ins­ge­samt stell­te die prak­ti­zier­te Volks­ge­mein­schaft (also der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus) den klas­sen­über­grei­fen­den Auf­stand aller Deut­schen, gegen das dar, was ihnen als Ka­pi­ta­lis­mus und Li­be­ra­lis­mus galt. In den heu­ti­gen Auf­ru­fen wird von Na­zi­sei­te immer wie­der die schaf­fen­de, deut­sche Ar­beit (die sie ganz offen so be­nen­nen) in Stel­lung gegen raf­fen­de Pro­fit­gier, „Zins­knecht­schaft“ und Zir­ku­la­ti­ons­phä­re ge­bracht. Hier­durch sehen sie die ka­pi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­gen­sät­ze auf­ge­ho­ben und die „na­tür­li­che Wirt­schaft“ der Volks­ge­mein­schaft wie­der­her­ge­stellt. Dass sich im Ka­pi­ta­lis­mus je­doch die Pro­duk­ti­on nicht von der Zir­ku­la­ti­on tren­nen lässt, wurde schon an an­de­rer Stel­le aus­führ­lich nach­ge­wie­sen.

Die ak­tu­el­le Nut­zung der­ar­ti­ger his­to­ri­scher Be­grif­fe be­legt ein­mal mehr die An­bie­de­rung der lo­ka­len Neo­na­zis an den his­to­ri­schen Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Wer einen Blick auf die auf die Home­page des Na­tio­na­len Wi­der­stan­des RE wirft, dem wird auch hier un­miss­ver­ständ­lich klar­ge­macht, wo sich die­ser ver­or­tet. Dort heißt es: „Wir be­ken­nen uns zu einem mo­der­nen Na­tio­nal­so­zia­lis­mus“.

Aus an­ti­fa­schis­ti­scher, an­ar­chis­ti­scher oder kom­mu­nis­ti­scher Sicht­wei­se ist sol­chen vö­kisch-​re­pres­si­ven Vor­stel­lun­gen die Vi­si­on einer klas­sen­lo­sen und be­frei­ten Ge­sell­schaft ent­ge­gen­zu­stel­len. Diese er­for­dert na­tür­lich die Ab­schaf­fung von Na­ti­on, Volk und Ka­pi­ta­lis­mus. Die linke Kri­tik des Ka­pi­ta­lis­mus muss auf dem Weg zu die­sem er­sehn­ten End­zu­stand ge­schärft und prä­zi­siert wer­den, was na­tür­lich eine vor­her­ge­hen­de gründ­li­che Ana­ly­se des Ka­pi­ta­lis­mus vor­aus­setzt. Eine ver­kürz­te oder grund­sätz­lich fal­sche Ka­pi­ta­lis­mus­kritk ist näm­lich nicht nur ein Phä­no­men wel­ches bei Nazis, son­dern lei­der auch bei ei­ni­gen (ver­meint­li­chen) lin­ken Grup­pen be­ob­ach­tet wer­den kann.

Was ist zu tun?
Die deut­li­che Zu­nah­me von neo­na­zis­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten im Kreis Reck­ling­hau­sen in den letz­ten Jah­ren ist wohl Nie­man­den ent­gan­gen. Meist sind dies klan­des­ti­ne, spon­ta­ne und oft­mals ge­walt­tä­ti­ge Ak­tio­nen. Der jet­zi­ge Auf­marsch bie­tet seit lan­ger Zeit erst­mals die Mög­lich­keit kon­zen­triert vor Ort gegen Neo­na­zis vor­zu­ge­hen. An­ti­fa­schis­ti­sche Ak­tio­nen am Tag selbst kön­nen je­doch nur ein Teil un­se­res Kamp­fes gegen Neo­na­zis­mus dar­stel­len. Viel­mehr muss der an­ti­fa­schis­ti­schen Ba­sis­ar­beit mehr Ge­wicht ver­lie­hen wer­den. Die be­ste­hen­den an­ti­fa­schis­ti­schen Struk­tu­ren im Kreis Reck­ling­hau­sen gilt es zu stär­ken und wei­ter­hin ist eine an­ti­fa­schis­ti­sche Ju­gend­kul­tur zu för­dern. Wenn Du In­ter­es­se an der Mit­ar­beit in einer an­ti­fa­schis­ti­schen Grup­pe hast, dann wende Dich an die ent­spre­chen­den Grup­pe und nimm ein­fach Kon­takt auf.

Die Be­kämp­fung des vor­han­de­nen Neo­na­zis­mus ist je­doch nur eine Seite un­se­rer Ar­beit. Min­des­tens eben­so wich­tig ist die Er­ar­bei­tung und Ver­brei­tung von Po­si­tio­nen zu wei­te­ren The­men, die uns am Her­zen lie­gen. Dazu ge­hört die be­reits er­wähn­te Schär­fung un­se­rer Ka­pi­ta­lis­mus­kri­tik eben­so wie die des Ras­sis­mus, des An­ti­se­mi­tis­mus und allen an­de­ren Wi­der­lich­kei­ten des deut­schen All­tags. Viel zu oft wird aus­schließ­lich den Nazis von Auf­marsch zu Auf­marsch hin­ter­her­ge­rannt und die ei­ge­nen In­hal­te fal­len hin­ter eine reine An­ti-​Na­zi-​Po­li­tik zu­rück. Daher haben wir uns ent­schlos­sen un­se­re De­mons­tra­ti­on zeit­lich vom Auf­marsch zu tren­nen. Sie bie­tet uns ei­ner­seits die Mög­lich­keit auf die er­heb­lich ge­stei­ger­te Ak­ti­vi­tät von Neo­na­zis hin­zu­wei­sen, und lässt uns an­de­rer­seits un­se­re ei­ge­nen Po­si­tio­nen öf­fent­lich ver­tre­ten. Dies ist mehr als nötig, denn auch ohne Nazis sind die herr­schen­den Zu­stän­de nicht hin­nehm­bar.
Wir hal­ten fest an un­se­rer Vi­si­on einer be­frei­ten Ge­sell­schaft und wer­den wei­ter­hin dafür kämp­fen.

Un­ter­stützt uns und kommt zur De­mons­tra­ti­on nach Reck­ling­hau­sen!

Weitere Infos: klick!

Solidarität

Presseerklärung der Freund_Innen der befreiten Gesellschaft:

Prozess gegen Anmelderin einer Kundgebung gegen Antisemitismus endet mit Verurteilung

Der heutige Prozess gegen eine Antifaschistin, die im Januar anlässlich einer israelfeindlichen Demonstration eine spontane Kundgebung gegen Antisemitismus angemeldet hatte, endete mit einer Verurteilung zu einer Geldstrafe von 300 Euro zuzüglich Gerichtskosten. Das Gericht bezweifelte den spontanen Charakter der Aktion und bemängelte, die Veranstaltung hätte frühzeitig angemeldet werden müssen. Darüber hinaus begründete das Gericht seine Entscheidung damit, dass die Teilnehmer_Innen der israelfeindlichen Demonstration durch die Aktion „provoziert“ worden seien und dadurch eine „gefährliche Situation“ entstanden sei. Silvia Stratmann, Pressesprecherin der Freund_Innen der befreiten Gesellschaft“, dazu: „Wir sind mit diesem Urteil sehr unzufrieden. Es kann nicht sein, dass spontanes Eintreten gegen Antisemitismus kriminalisiert wird, und dass dies auch noch mit der Gefährlichkeit der israelfeindlichen Demonstration begründet wird. Wir befürchten, dass das Urteil sich negativ auf die Bereitschaft anderer Menschen auswirkt, sich symbolisch gegen öffentlich geäußerten Antisemitismus zu stellen. Denn nun kommt zu der Bedrohung durch antiisraelische Demonstrant_Innen, auch noch die Sorge um staatliche Repression hinzu.“

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LET PEACE COME!

An dieser Stelle dokumentieren wir den Aufruf der Gruppe „salon des communistes“ zum diesjährigen Antikriegstag in Dortmund.

LET PEACE COME!
Gegen Nationalismus und Islamismus
Aufruf gegen den Naziaufmarsch am Antikriegstag in Dortmund

Der autonome Neonazismus, wie er sich am 5.9 in Dortmund unter dem Motto „Gegen imperialistische Kriegstreiberei und Aggressionskriege“ anlässlich des Antikriegstages auf der Straße präsentieren wird, steht für eine militante und reaktionäre Form der Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft und ihren Erscheinungen. Zentrale ideologische Elemente ihres Aufrufstextes sind völkischer Nationalismus und Antiliberalismus, reaktionärer Antikapitalismus und Antiimperialismus sowie Antiamerikanismus und Antizionismus. Der „sozialrevolutionäre“ Gestus ist allerdings nicht neu, sondern steht in der Tradition zahlreicher revisionistischer, faschistischer und nationalsozialistischer Strömungen Deutschlands, Italiens oder Frankreichs als Verfechter des „Dritten Weges“, deren direkte Ideologiegeschichte sich bis zur vorletzten Jahrhundertwende zurückverfolgen lässt.

Dass ideologische Elemente des neonazistischen Antikriegstages Schnittmengen zur Politik linker sozialer Bewegungen der Welt aufweisen, wird vom Spektrum der vorbereitenden ruppen der Gegenproteste von Linkspartei bis zur Antifa allerdings weitgehend ausgeblendet, wodurch sich von vornherein die Möglichkeit einer ernsthaften Kritik an dem ideologischen Gerüst der Nazis verbaut wird.
Dies geschieht nicht aus Zufall: das Phänomen des sozialrevolutionären Antiimperialismus von Rechts zu fassen und das Verhältnis von „rechtem“ und „linkem“ Ideologiegebäude reflektiert zu betrachten ist linken Antifaschisten bisher kaum gelungen, würde damit doch der miserable Zustand der gegenwärtigen antikapitalistischen Bewegungsrhetorik offenbar. Im Gegenteil: Je „linker“ die Naziparolen klingen, desto verbissener mobilisieren auch Traditionslinke nach langer Ignoranz der Dortmunder Naziszene wieder nach Dortmund, um die Hoheit über ihr vermeintliches geistiges Eigentum zu verteidigen. Dabei findet jedoch keine Auseinandersetzung darüber statt, warum sich auch ein Antikriegstag so hervorragend als Anlass für die zentrale bundesweite Nazidemonstration dieses Spätsommers eignet. Lediglich der Vorwurf dass Nazis sich hinter linken Positionen verstecken würden oder dass eine Friedensdemonstration von Nazis angesichts des Jahrestages des Überfalls auf Polen besonders dreist wäre, wird gebetsmühlenartig wiederholt.
Gleichzeitig wird weit ausgeholt, um das globale Hauen und Stechen geschichtsdeterministisch als Interessenkonflikt der mal friedfertigen, mal kriegswütigen etablierten Player abzuleiten, anstatt zum Protest gegen Nazis – und konsequenterweise auch den weltweit betrachtet quantitativ weitaus relevanteren islamistischen Bewegungen – als den schärfsten Feinden liberaler Freiheit und kommunistischer Emanzipation aufzurufen. Kein Wunder, denn die Linke hat den Sinn fürInternationalismus verloren. Sie kannte Bosnien, Ruanda und Tschetschenien nie und kennt nicht Sri Lanka, Darfur und Kongo. Stattdessen stehen Auseinandersetzungen unter Beteiligung der USA oder Israels automatisch im Fokus der allgemeinen und linken Aufmerksamkeit, auch wenn Body Count und andere Abscheulichkeiten in den Kriegen zur Durchsetzung kapitalistischer Vergesellschaftung eher „dezenter“ ausfallen als in anderen zeitgleich ausgetragenen religiösen oder nationalistischen Konflikten, deren Ziel oft Vertreibung oder Vernichtung feindlicher Bevölkerungsgruppen ist.
Auch die Parole „der Hauptfeind ist das eigene Land“, welche Deutschland und seine „Interessen“ zum Dreh- und Angelpunkt für den Zustand der Welt machen will greift analytisch und kritisch zu kurz. Sie benennt nicht das Besondere der postnazistischen deutschen Gesellschaft und schließt vor der Reaktion in der Peripherie die Augen. Gemessen am Grad kriegerischer Grausamkeit erscheinen die „Polizeispiele“ der Bundeswehr in Afghanistan im Vergleich zum Vorgehen des nigerianischen oder äthiopischen Militärs gegen islamische Milizen und dessen „Kollateralschäden“ lächerlich.
Anders als der Contra-Support der USA im Chile, Nicaragua oder El Salvador der 70er und 80er oder gar Vietnam stünden militärische Interventionen dieser Tage – so politisch, taktisch und moralisch zweifelhaft ihre Durchführung auch sein mag – einer „positiven“ gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr prinzipiell entgegen.
Zahlreiche Konfliktherde, Orte systematischer gruppenbezogener Gewalt, rassistischer Bürgerkriege oder nationalistischer Pogrome lassen sich nicht allein aus dem krisen- und konflikthaften Charakter des
globalen Kapitalismus oder einseitiger geostrategischer oder ökonomischer Einflussname westlicher Interessen erklären, sondern sind im Kontext von nationalistischen und religiösen Ideologien zu bewerten.
Eine pazifistische Antikriegsposition, auf die sich heutzutage gerne zurückgezogen wird, ist historisch betrachtet zudem nie Teil des Programms linker, sozialistischer oder kommunistischer Bewegungen oder
Parteien gewesen. Antikriegsagitation war im besten Fall eine Kritik der „weißen“ Gewalt, im schlechtesten Fall bloße Paktiererei mit jeweiligen Blockpartnern.

Antiimperialistische Denkblockaden einreißen

Der Antiimperialismus als Gegenbewegung gegen den Westen, gegen US-Imperialismus oder Zionismus, in deren Reihenfolge auch der Internationalismus der deutschen Nazis steht, ist eine Sammelideologie der nichtstaatlichen und staatlichen emanzipationsfeindlichen Bewegungen, deren Kritik und Niedergang eine Chance für Befreiung von Nationalismus und Islamismus ermöglichen würde. Der Kampf um die offene Gesellschaft und die Möglichkeit einer Perspektive der Befreiung ist ein ständiger Abwehrkampf gegen Nazis und Islamisten. Gradmesser der Schärfe und Stärke der prinzipiell breiten Anti-Nazi-Bündnisse kann aber nicht der militante Gestus oder gar die Breite der Bündnisse sein, sondern ihr kritischer Gehalt. Wenn es nach uns ginge, sollte die Kritik des nationalistischen, völkischen Antizionismus und Antiamerikanismus, des antiimperialistischen Kampfes gegen Fremdherrschaft der rechten und islamistischen, aber auch leider linken Bewegungen, zu einer Basis antifaschistischer Kritik und Praxis werden.

Let peace come!
Nationalismus und Islamismus bekämpfen!
Die Nazidemo am 5.9 in Dortmund verhindern!

Bundesweite Demonstration am 10. Oktober 2009 in Leipzig

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Durch die Beschwörung eines demokratischen und antidiktatorischen Aufstands im Jahr 1989 wird ein Mythos geschaffen, der dem nationalen Kollektiv einen positiven Bezug auf Deutschland ermöglichen soll. Die Zelebrierung einer quasi zweiten – aber diesmal durchweg positiv besetzten – Geburt der BRD geht mit der rhetorischen Gleichsetzung von DDR und Nationalsozialismus einher. Die Deutschen werden dadurch nicht nur zu bloßen Opfern »zweier Diktaturen« stilisiert, vielmehr gelingt es ihnen, sich von der Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus weiter zu lösen.

So wird im Jubiläumsjahr 2009 die Erzählung von einem geläuterten Deutschland, das die Lehren aus der Geschichte gezogen habe und nun als eine bessere Nation mit unbeschwertem Selbstbewusstsein auftreten kann, aufs Neue bekräftigt. In der vollzogenen Geschichtsklitterung gibt es selbstverständlich keinen Platz für widersprüchliche oder gar negative Aspekte, die dem konstruierten Selbstbild entgegen stehen. Im Rahmen der Wendefeierlichkeiten werden der brutale Anstieg von Antisemitismus und Rassismus nach der »Wiedervereinigung« und die bis heute existenten menschenverachtenden Einstellungen in der Bevölkerung konsequent verschwiegen. Auch wird kein Wort über den kapitalistischen Alltag und seine inhumane Verwertungslogik verloren. (mehr…)

Intervention gegen die Rote Antifa

Seit über eineinhalb Jahren etabliert sich in den antifaschistischen Strukturen in NRW eine junge Duisburger Gruppe unter dem Label „Rote Antifa“. Die Gruppe erklärt auf ihrer Internetseite, sie verstehe sich als Duisburger Vorhut einer internationalistischen, antirassistischen und antikapitalistischen Globalbewegung. Schon seit einigen Monaten ist sie zumindest teilweise an der medialen Aufarbeitung von Anti-Nazi-, Friedens- und anderen sozialpolitischen Demonstrationen beteiligt – ein umfangreiches Internetarchiv vermittelt den Eindruck einer stark organisierten und durch breite Strukturen unterstützten Arbeit. Sie sucht darüber hinaus Anschluss zu bestehenden linken Strukturen in NRW. Auch im restlichen Bundesgebiet und teilweise sogar im europäischen Ausland knüpft sie erste Kontakte. Sie tritt auf nahezu allen größeren politischen Events in NRW in Erscheinung, mobilisiert zu eigenen Antifa-Blöcken und führt schwach organisierte Demonstrationen spontan durch eine geschlossene Spitze und eigene Transparente an. Demnach ließe sich also eine Bereicherung hiesiger Strukturen vermuten. Doch seit Beginn ihrer politischen Tätigkeit ist die Gruppe regelmäßig in gewalttätige Aktionen gegen andere antifaschistische Gruppen und Einzelpersonen involviert. Zudem kam es zu Aussagen, die darauf schließen lassen, dass die „Rote Antifa“ einen anarchistischen und linkskommunistischen Minimalkonsens nicht teilt. (mehr…)

Antifaschistisches Jugendcamp 2009

Sommer - Sonne - Antifa Vom 05.-09. August heißt es inzwischen zum neunten Mal “Sommer – Sonne – Antifa”! Das Camp findet in diesem Jahr, nach unserem erfolgreichen Ausflug ins AZ Mülheim 2008, wieder im Druckluft Oberhausen statt. Der TeilnehmerInnen-Beitrag liegt bei unschlagbar günstigen 15€ für die gesamte Dauer, Tageskarten sind ab 5€ zu haben. Inklusiv ist das vegane rundum-sorglos Verpflegungspaket, so viel Mineralwasser & Kaffee, wie ihr trinken könnt und eine Übernachtunsmöglichkeit.

Wer möchte kann dieses Jahr gerne wieder zelten, alle anderen sollten mindestens eine Penntüte und eine Isomatte, Besteck, einen Teller und eine Tasse mitbringen. Inhaltlich möchten wir mit euch den Spagat zwischen radikaler Gesellschaftskritik und antifaschistischer Praxis wagen. Antifaschismus heißt für uns nämlich nicht nur, gegen Nazis zu sein, sondern auch, die herrschenden Verhältnisse, die aus sich heraus immer wieder faschistische Tendenzen hervorbringen, radikal zu kritisieren. Neben insgesamt 18 Basic und Basic+ Veranstaltungen, vier großen abendlichen Events und einem Kultur-Programm wird es zum ersten Mal drei Tagesseminare geben, in denen ihr besonders intensiv in die angebotenen Themen einsteigen könnt. Um euch schon im Vorfeld über unser Veranstaltungsangebot zu informieren, solltet ihr unsere – bald in neuem Glanz erstrahlende! – Homepage unter www.antifacamp.de besuchen. Anmeldung ist nicht nötig, die Anreise beginnt ab Mittwoch 14 Uhr. Wer noch eine dringende Frage hat oder Info-Material bestellen will, schreibt an antifacamp@safe-mail.net!

Antifa-Jugendcamp
05. – 09. August 09
Druckluft Oberhausen

Statement zur Demonstration in Essen

Am Samstag, dem 6. Juni 2009, fand in Essen eine Demonstration gegen den Laden „Oseberg“, der die Marke „Thor Steinar“ verkauft, statt. Wir mobilisierten zu dieser Demonstration und halten eine Teilnahme an Anti-Nazi-Demonstrationen generell für nichts Falsches, auf der Demonstration in Essen aber zeigten Teile der antifaschistischen Bewegung NRWs, wenn man überhaupt von einer Bewegung sprechen will, ihr wahres Gesicht.

Als Israelsympathisanten eine Fahne des Staates der Holocaustüberlebenden zeigten, wurden diese umgehend von einem aggressiven Mob aus dem Umfeld türkischer Kommunisten, der Roten Antifa und anderen Antiimperialisten angegangen. Glücklicherweise waren genug Genossen vor Ort, sodass der antisemitische Mob zurückgehalten wurde und die Demonstration schließlich geschlossen verlassen werden konnte.

Die Geschehnisse auf der Demonstration in Essen haben wieder einmal gezeigt, dass, auch in vermeintlichen „antideutschen Hochburgen“ wie dem Ruhrgebiet, Träger israelischer Fahnen noch immer um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten müssen, wenn sie an sogenannten antifaschistischen Demonstrationen teilnehmen.

Auf der Homepage der Antifa Essen Z findet sich ein kurzer Bericht zur Demonstration: http://antifaessen.blogsport.de/